WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 13. Mai 2024
 

Endspurt für aktuelle Spielzeit


WILHELMSHAVEN. (RED) Das Theater am Meer biegt auf die Zielgerade der aktuellen Spielzeit ein. Am Samstag feierte das Ensemble an der Kieler Straße eine gelungene Premiere der Tragikomödie „Willkommen in Deinem Leben“. Dabei überzeugten die Schauspieler einmal mehr. Das Publikum dankte mit viel Applaus – auch Regisseurin Elke Münch, die erneut ein gutes „Händchen“ bewies. ➜ P Seite 6

Trockenem Humor und tiefgründige Pointen

KULTUR - Theater am Meer läutet mit „Willkommen in Deinem Leben“ Endphase der Spielzeit ein

Gelungene Premiee vo"Willkommen in Deinem Leben" im Theater am Meer mit (v. li.) Wally (Arnold Preuß), Kiki (Ulrike Schütze), Charlie Cox (Yannik Marschner) und Travis (Nicolas C. Ducci) - BILD OLAF PREUSCHOFF/TAM

WILHELMSHAVEN. (WAN) Das Theater am Meer kann nicht nur Plattdeutsches hervorragend auf die Bühne bringen. Das bewies die zu Recht umjubelte Premiere der Tragikomödie „Willkommen in Deinem Leben!“ am Samstag. Dieses Stück von Michael McKeever (deutsch von Frank-Thomas Mende) jongliert auf raffinierte Weise mit den Themen Tod, Liebe und Leben. Es beginnt recht geisterhaft, wenn sich Charlie Cox (Yannik Marschner) mit dem im Spotlicht sitzenden Wally (Arnold Preuß) austauscht. Ernster könnte das Thema kaum sein, denn Charlie hadert bitter mit der Diagnose seines Arztes auf das Lou-Gehrig-Syndrom (auch als ALS bekannt).

In seiner Wut war er mit dem Auto weit in die Wüste von Arizona hinausgefahren, hatte gegen seine Gewohnheit diesen großspurigen Anhalter Wally mitgenommen. Mit dem er wegen einer Autopanne nun aber im abgelegenen Motel von Nell Todd (Stefanie Mahn) sitzt und auf eine Reparatur wartet. Ebenso fassungslos wie empört muss er im Gespräch erfahren, warum der sarkastische Wally so viel über ihn weiß: er stellt sich als Charlies individueller Tod vor. Mit dieser unheilbaren Krankheit habe er höchstens noch 18 Monate zu leben, also wäre der umgehende „Übergang“ eigentlich eine sinnvolle Erleichterung. Als mittelmäßiger Lektor eines Verlags habe er nicht viel zu verlieren und sein bisheriges Leben sei so langweilig gewesen, dass er sich nicht einmal verliebt hatte.

Genau das aber widerfährt dem schüchternen Charlie jetzt mit der grantelnden Nell, während er und Wally auf einen Mechaniker warten. Die geschäftige Witwe, für die Wally natürlich unsichtbar ist, wühlt ungeahnte Gefühle in ihm auf. Und es kommt noch toller – sie scheint sie zu erwidern. Das findet nicht nur der ungeduldig quengelnde Wally „zum Kotzen“, auch der etwas trampelige Mechaniker Travis (Nikolas C. Ducci), der nun aus seiner entfernt gelegenen Werkstatt erscheint und wie seit langem ein beschützendes Auge auf Nell hat, stört sich lautstark an dem fremden Eindringling.

Während er deshalb für die baldige Reparatur des Autos sorgt und Wally jubeln lässt, dass er endlich mit Charlie in die Unendlichkeit abschwirren kann, kommen dieser und Nell sich endgültig intensiv näher. Zum Entsetzen von Wally platzt plötzlich und lautstark Kiki (Ulrike Schütze) zu fröhlichen ABBA-Klängen herein. Sie ist die ebenfalls nur für Charlie sichtbare Gegenspielerin vom Todesboten Wally und vertritt die Liebe. Kiki beflügelt Charlie in seinen Gefühlen, macht ihm deutlich, dass er bisher nicht wirklich vor dem Tod weggerannt sei: „Nein – vor dem Leben!“ Womit zugleich ein heftiges Ringen mit dem um seine Beute zitternden Wally einsetzt. Bis zuletzt fesselt diese ebenso intelligente wie herzerwärmende Tragikomödie.

Für die riesige Begeisterung beim Publikum sorgte dabei vor allem auch die sprühende Spielfreude des gesamten Ensembles, bei dem der trockene Humor genau so trifft, wie die tiefgründigen Pointen sitzen. Einmal mehr hat Regisseurin Elke Münch das richtige „Händchen“ bei der Auswahl jedes Spielers für seine Rolle gehabt und das stimmige Bühnenbild von Harald Schmidt trug gleichfalls zum Erfolg bei.