NWZ - 22. Mai 2024

Modernes Märchen mit skurrilem Humor

Wilhelmshaven - Von Michael McKeefer ist im Original die Komödie „Willkommen in Deinem Leben“ (Charly Cox runs with Scissors)"

Wally (Arnold Preuß), Charlie Cox (Yannik Marschner) laufen durch die Wüste

Text und Fotos von Dietmar Boekhaus

Die Komödie "Willkommen in Deinem Leben" von Michael McKeefer feierte in der Regie von Elke Münch, Bühnenbild Harald Schmidt, am Samstag, 11. Mai, im Theater am Meer ihre zurecht umjubelte Premiere. Im letzten Stück vor der Sommerpause spielt die melancholische Geschichte, irgendwo im Nirgendwo, atmet die US-amerikanische Atmosphäre und den Staub der Route 66 ein.

Das Stück ist eine Komödie mit schwarzem Humor, Wortwitz und Situationskomik, die die Besucher des kleinen Zimmertheaters am Ende mit Standing Ovationen belohnte. Und das zu Recht, denn den Akteuren ist es wieder einmal hervorragend gelungen, dieses Stück mit einem ersten Thema unterhaltsam auf die Bühne zu bringen. Charly Cox (Yannik Marschner), ein mittelmäßiger Lektor, ist bisher nicht vom Leben verwöhnt worden. Er konnte seine Träume, ein großer Schriftsteller zu werden, nicht verwirklichen und auch die Liebe fand bisher keinen Platz. Er wird unheilbar krank und er merkt, dass er etwas versäumt hat, das er noch gar nicht richtig gelebt hat. Sein Arzt attestiert ihm das "Lou-Gehrig-Syndrom" ( ALS).

Kiki (Ulrike Schütze) sagt, sie sei "die Liebe".

Er fährt planlos durch die Wüste und trifft auf Wally (Arnold Preuss), einer sehr schrägen Person. Mit einer Autopanne bleiben beide liegen und es verschlägt sie in das abgelegene Motel von Nell Todd (Stefanie Mahn), wo sich Charlie wundert, dass Wally, der sich als Charlies individueller Tod vorstellt, so viel über ihn weiß. "Mit deiner unheilbaren Krankheit hast du höchstens noch 18 Monate zu leben, daher wäre der "umgehende „Übergang“ vom Leben in den Tod eigentlich eine sinnvolle Erleichterung", meint Wally. "Dein bisheriges Leben war doch nur langweilig und als mittelmäßiger Lektor hast du doch auch nichts zu verlieren", hört Charly fassungslos, der die nörgelnde Nell Todd kennenlernt, während er auf den Mechaniker wartet, der sein Auto repariert. Sie kramt ordentlich Charlies Gefühlswelt um, beide scheinen sich näherzukommen, was der, für Nell unsichtbaren, Wally "zum kotzen" findet. Auch der Mechaniker Travis Dunn (Nikolas C. Ducci), der aus seiner Werkstatt kommt, empört sich lautstark über das Eindringen des Neulings in Nells Welt, auf die Travis doch immer ein wachsames Auge hatte. Er verspricht Charly eine schnelle Reparatur des Autos, damit er schnell wieder verschwindet, was Wally natürlich freudig zur Kenntnis nimmt, hat er doch noch einen Job zu erledigen!

Nell (Stefanie Mahn) und Charlies spüren ihre Zuneigung, was Kiki wunderbar und Wally zum Kotzen findet.

Plötzlich zum Entsetzen Wallys kommt mit viel Getöse (tanzend zu "Gimme, Gimme, your Loving") Kiki (Ulrike Schütze), die auch nur für Charlie sichtbar ist, auf die Bühne. Als Gegenpart zu Wally vertritt sie die Liebe. Sie stärkt Charlie in seinen Gefühlen, zeigt ihm, dass er vor dem Todesboten Wally keine Angst haben muß. Zwischen dem Todesboten und dem Liebesengel entspringt ein heftiges Gerangel um Charlie, der das Leben wieder genießen will und seine zweite Chance, für sein Leben und für die Liebe zu kämpfen und vielleicht dem Tod von der Schippe zu springen, nutzen will. Das Publikum attestierte mit den Beifallsbekundungen einen astrein gelaufene Premiere mit sehr starker Spielfreude aller Akteure.

Travis Dunn (Nicolas Ducci) streitet sich mit Charlie um Nell. Mit dabei sind Kiki und Wally

(C)Dietmar Bökhaus maritimundmehr-fotografie